Ein Schock für die Region: Goodyear beendet die Reifenproduktion
Fürstenwalde steht vor einem dramatischen wirtschaftlichen Einschnitt. Der US-amerikanische Reifenkonzern Goodyear hat angekündigt, die Reifenproduktion am Standort Fürstenwalde zum 31. März 2027 zu beenden. Von einst rund 1000 Arbeitsplätzen entfallen dabei etwa 658 Stellen. Ein harter Schlag für die Domstadt und die gesamte Region Märkisch-Oderland.
Was bleibt – und was geht
Nicht das gesamte Werk schließt. Der sogenannte Mischbetrieb, in dem Gummimischungen für die europäischen Goodyear-Werke hergestellt werden, bleibt mit rund 220 Beschäftigten in Betrieb. Dieser Teil des Werks ist weiterhin strategisch wichtig und liefert unter anderem nach Hanau und Riesa.
Die Reifenproduktion selbst wird jedoch eingestellt. Bereits in den vergangenen Monaten liefen zwei Entlassungswellen, bei denen rund 350 bis 400 Mitarbeiter das Werk verlassen mussten. Laut Betriebsrat und Gewerkschaft IGBCE konnten jedoch beeindruckende 85 bis 90 Prozent der Ausgeschiedenen einen neuen Job finden – ein Zeichen für die Unterstützung durch die Transfergesellschaft und den Sozialplan.
Die Hintergründe der Schließung
Goodyear begründet die Standortschließung mit globalen Marktverschiebungen und Kostendruck. Weltweit schließt der Konzern weitere Werke, um seine Produktionsstruktur zu optimieren. Die Aktie lag Anfang Juli 2026 bei nur 6,46 US-Dollar – ein Indikator für die wirtschaftlichen Herausforderungen des Unternehmens.
Besonders bitter für Fürstenwalde: EU-Hilfen in Höhe von drei Millionen Euro flossen nach Hessen, nicht nach Brandenburg. Fulda hatte 2025 das Goodyear-Werksgelände in Hanau für 16,2 Millionen Euro erworben. Fürstenwalde ging bei dieser Verteilung leer aus.
Unterstützung für die Beschäftigten
Die Stadt und die Region sind gefordert. Eine Transfergesellschaft begleitet die Betroffenen bei der beruflichen Neuorientierung – mit Beratungen, Qualifizierungsprofilen und Kontakten zu potenziellen neuen Arbeitgebern. Der Sozialplan regelt die finanziellen Absicherungen für die Mitarbeiter.
Die dritte und letzte Entlassungswelle ist für den 31. März 2027 geplant. Bis dahin haben die verbleibenden Beschäftigten noch etwas Zeit, sich auf den beruflichen Neuanfang vorzubereiten.
Was bedeutet das für Fürstenwalde?
Der Weggang von Goodyear ist mehr als nur ein wirtschaftlicher Verlust. Für Generationen von Fürstenwaldern war das Reifenwerk ein verlässlicher Arbeitgeber und prägte das Stadtbild. Die leerstehenden Hallen und das große Werksgelände am Tränkeweg werfen die Frage auf: Was kommt danach?
Die Stadtverwaltung soll nach Aussagen des Konzerns später in die Planungen für die Nachnutzung des Geländes einbezogen werden. Möglich sind neue Gewerbeansiedlungen, Logistikzentren oder andere Industriebetriebe. Die gute Verkehrsanbindung an die A12 und den Bahnhof Fürstenwalde machen das Gelände attraktiv für Investoren.
Ausblick
Der Strukturwandel in Fürstenwalde wird Jahre dauern. Doch die Stadt hat gezeigt, dass sie Krisen bewältigen kann. Mit dem geplanten neuen Gewerbestandort Fürstenwalde Ost/Langewahl, der Agri-Solaranlage in Steinhöfel und weiteren Investitionsprojekten entwickelt sich die Region weiter.
Fürstenwalde bleibt ein attraktiver Standort – auch ohne Goodyear-Reifenwerk. Die Herausforderung liegt nun darin, die frei werdenden Flächen und das qualifizierte Personal für neue Projekte zu gewinnen. Die Domstadt hat Potenzial.

















